8 Statistische
Qualitätskontrolle
8.1.1 Beispiel:
Prozessfähigkeit einer Abpackungsanlage
8.2.1 Beispiel:
Kontrollkarten für Gewichtsmittelwerte von Haferflockenpackungen
Die statistische Qualitätskontrolle ist Teil eines umfassenden Qualitätsmanagements, welche im Bereich des Produktionsmanagements, häufig zur Anwendung kommt.
Die Ausführungsqualität industrieller Erzeugnisse lässt sich durch bestimmte Merkmale überprüfen. In sehr vielen Fällen sind dies die Übereinstimmungen mit vorgegebenen technischen Normen. Wenn die Abweichung außerhalb eines zulässigen Toleranzbereiches liegt, so wird das Erzeugnis als fehlerhaft angesehen. Da die Prüfung jedes produzierten Teils zu teuer beziehungsweise manchmal technisch nicht machbar ist (z.B. zerstörende Prüfung) werden nur Stichproben entnommen und daraus mittels statistischer Methoden auf die Anzahl der fehlerhaften Teile in der gesamtem Produktion zurückgeschlossen.
Bei der statistischen Qualitätskontrolle unterscheidet man zwei Anwendungsbereiche: (Günther et. al. 97, S. 126)
· Überprüfung der Qualität einzelner Produkte um bei Produktionsfehlern, dass betreffende Los zurückzuweisen. Diese Produktkontrolle wird häufig in der Wareneingangsprüfung oder in der Endabnahme der Fertigerzeugnisse eingesetzt.
· Qualitätskontrolle zur Überwachung des Produktionsprozesses. Aus der laufenden Produktion werden Stichproben entnommen und geprüft. Entsprechen die Produkte nicht den gesetzten Normen, wird der Produktionsprozess neu justiert. Diese Prozesskontrolle zielt somit auf die Qualität der Produktion in der Zukunft ab.
Bei der Prozesskontrolle geht man davon aus, dass es zufällige Schwankungen der Produktionsqualität gibt, die nicht beeinflussbar ist. Darüber hinaus können aber auch nichtzufällige, systematische Schwankungen der Qualität auftreten, die auf eine fehlerhafte Einstellung des Produktionsprozesses hindeuten.
Die eintretenden Schwankungen der Fertigungsqualität hängen in der Regel von einer großen Anzahl voneinander unabhängigen Einflussfaktoren ab. Daher kann man annehmen, dass die Qualitätsabweichungen normalverteilt sind. Ein Bereich von drei Standardabweichungen (99,63 % aller beobachteten Werte) wird im allgemeinen als natürlicher Toleranzbereich angesehen. Die Standardabweichung ist ein Maß dafür, wie stark die Werte um den Erwartungswert (= Mittelwert) streuen. (Bleymüller et. al. 92, S. 60)
Ein Prozess wird bezüglich eines
Merkmals als fähig bezeichnet, wenn dieses Merkmal eines Teils mit einer
Wahrscheinlichkeit von 99,63 % (+/-
3- fache Standardabw.) innerhalb von vorgegebenen Toleranzgrenzen liegt. Zur
Bestimmung
der Prozessfähigkeit ist die Berechnung der beiden Werte
und
(Formeln siehe Beispiel) notwendig. Ein als prozessfähig eingestufter Prozess
weist einen
- Index über 1,33 auf. Dann bezeichnet man diesen Prozess auch als „6- Sigma-
Prozess“.
Während der Abpackung bei einem Lebensmittelhersteller wurden in den letzten 10 Stunden jede Stunde eine Stichprobe (fünf Fischstäbchenpackungen) entnommen, um die Prozessfähigkeit zu ermitteln. Das Gewicht der Packungen in Gramm betrug:
|
|
Stichproben Nr. |
|
|||||||||
|
Packung |
i=1 |
i=2 |
i=3 |
i=4 |
i=5 |
i=6 |
i=7 |
i=8 |
i=9 |
i=10 |
|
|
j=1 |
342 |
336 |
331 |
343 |
332 |
339 |
337 |
339 |
335 |
328 |
|
|
j=2 |
346 |
337 |
340 |
343 |
331 |
335 |
336 |
340 |
333 |
333 |
|
|
j=3 |
338 |
342 |
339 |
337 |
336 |
338 |
340 |
341 |
337 |
327 |
|
|
j=4 |
337 |
334 |
336 |
335 |
333 |
333 |
340 |
337 |
347 |
339 |
|
|
j=5 |
344 |
339 |
335 |
338 |
332 |
332 |
334 |
327 |
341 |
343 |
|
Tabelle 14: Gewichte der Packungen in Gramm
a) Berechnen Sie auf einem Tabellenblatt mit der Bezeichnung „Daten“ die folgenden Größen:
·
Mittelwert der Gewichte der Stichprobe i
·
Standardabweichung der Gewichte der Stichprobe i
·
Varianz der Gewichte der Stichprobe i
· s............................Prozessstandardabweichung: Näherungswert für die Standardabweichung des gesamten Prozesses
·
Prozessmittelwert: Mittelwert der Gewichte aller Packungen
b) Übertragen Sie die Prozess-Standardabweichung und den Prozessmittelwert durch verknüpfen auf ein zweites Blatt mit der Bezeichnung „Prozessfähigkeit“
c) Berechnen Sie den
und
Index. Das Gewicht einer Packung
soll zwischen 291g und 309g liegen (UT=291, OT=309). Die kritische Toleranzgrenze
KT ist die untere Grenze des Abpackgewichtes, da eine Packung auf keinen Fall
zuwenig wiegen sollte (KT=291).
d) Durch eine Prozessumstellung ist es möglich, den Prozessmittelwert
auf 316g zu senken. Kalkulieren Sie
den neuen
Index.
e) Bei welchem Prozessmittelwert erreicht der
Index seine kritische Grenze? (Menü Extras/ Zielwertsuche)
Diese werden als Hilfsmittel bei der Prozesskontrolle eingesetzt. Auf der horizontalen Achse wird die laufende Nummer der entnommenen Stichprobe markiert und darüber der Stichprobenmittelwert eingetragen. Eine zentrale Linie (
; Mittelwert) kennzeichnet den beobachteten Gesamtmittelwert. Der
zulässige
Schwankungsbereich wird durch eine obere und untere Grenzlinie (OEG; obere
Eingriffsgrenze; UEG untere Eingriffsgrenze) markiert.
|
Stichprobe i
|
Mittelwert |
|
1 |
17,1 |
|
2 |
16,8 |
|
3 |
14,5 |
|
4 |
14,8 |
|
5 |
16,5 |
|
6 |
16,4 |
|
7 |
15,2 |
|
8 |
16,4 |
|
9 |
16,3 |
|
10 |
16,5 |
|
11 |
14,2 |
|
12 |
17,3 |
Tabelle 15: Gewichtsmittelwerte
a) Kopieren Sie obige Tabelle auf ein EXCEL- Arbeitsblatt und ermitteln Sie folgende Werte:
·
...............Prozessmittelwert: Mittelwert der Stichprobengewichte
· s................Prozess-Standardabweichung: Näherungswert für die Standardabweichung des gesamten Prozesses.
· UEG...........untere Eingriffsgrenze der
- Regelkarte
UEG
=
· OEG...........obere Eingriffsgrenze der
- Regelkarte
OEG
=
b) Geben Sie mit Hilfe der „Wenn – Funktion“ in einer weiteren Spalte an, ob sich die Mittelwerte der jeweiligen Stichprobe unter- oder oberhalb der Eingriffsgrenzen befinden (sonst: OK).
c) Stellen Sie die
- Regelkarte als Liniendiagramm auf einem eigenen Blatt grafisch dar. Auf der
Rubrikenachse (x- Achse) soll die Stichprobennummer dargestellt werden. Die Größenachse
(y- Achse) soll einen Wertebereich von 13 bis 19 anzeigen. Die Eingriffsgrenzen
sollen in diesem Diagramm als horizontale Linien, und die Stichprobenmittelwerte
als Punkte angezeigt werden.